Geschichte

1518
Das ist die Jahreszahl im steingemeißelten Wappen über dem einstigen Eintrittsportal zum Gasthaus Schwarzer Adler, dem ältesten Gasthaus im Herzen von Seis und einem der ältesten in Tirol.

1518
Das sind 73 Jahre nachdem der berühmte Oswald von Wolkenstein seine Burg Hauenstein unterhalb der steilen Felswände des Schlern verlassen hatte und in Meran verstorben war. Damals war Seis nicht viel mehr als eine kleine Ansammlung von Bauernhäusern rund um einen Dorfturm. Neben den Bauerngütern gab es ein ansehnliches Gewerbegebiet am Frötschbach, mit Schmieden jeder Art, vom Schellen-, Messer-, Waffen- und Hufschmied bis zum gemeinen Schmied, mehreren Mühlen und Sägen, sogar eine Gerberei und Lodenwalkerei werden erwähnt. Doch für eine eigene Kirche reichte diese Besiedlung noch nicht, die wurde erst gut 100 Jahre später erbaut als das Haus mit der Jahreszahl 1518 im Wappen.

 

Auch wenn mit dem Umbau 1996/97 und den Erweiterungsarbeiten 2011 moderner Komfort in die alten Gemäuer eingezogen ist, beeindruckt die ursprüngliche Harmonie von Mauern und Gewölben, spürt man noch die Wärme und Behaglichkeit alter Bauernstuben. Der zweigeschossige Gewölbekeller mit gestampftem Erdboden birgt auch heute noch edle Weine, Schnäpse, Speck, Gemüse und Eingemachtes für die Spezialitäten der Südtiroler Küche.

WIE ALLES BEGANN...

Die Anfänge des Schwarzen Adlers, der ursprünglich Arlas und später auch Unterwirt hieß, liegen im Dunkel der Geschichte verborgen. Wir wissen auch nicht genau, wann aus dem bäuerlichen Gehöft ein Wirtshaus wurde, vermutlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Aus dem Jahr 1546 stammt die erste schriftliche Erwähnung, wonach der Truchsesshof mit Behausung, Hofstatt und zwei Gärten sowie Wirtsgerechtigkeit vom Vater auf den Sohn vererbt wurde. Dieser Truchsesshof, der zugleich Wirtshaus war,kann mit dem späteren Arlas-Wirtshaus gleichgesetzt werden.

Ursprünglich war es wohl das Haus eines Bäckers gewesen, wovon noch das wappenartige Zunftzeichen am Türsturz des ursprünglichen Hauseinganges zeugt. Umrahmt von der Jahreszahl 1518 sehen wir eine Brezel, zwei brotähnliche Gebilde und die Buchstaben PP, die für „Päckerpfister“, also Bäckerei stehen.
  

OBER- UND UNTERWIRT

Aus den alten Dokumenten erfährt man auch, dass es zur selben Zeit in Seis sogar ein zweites Gasthaus gab: das Wirtshaus zum Gebhard oder - wie es häufiger genannt wurde – der Oberwirt. Beide konnten wirtschaftlich gut überleben, denn anscheinend waren, sehr zum Ärger der Obrigkeit, die Handwerker und Bauern recht trinkfreudig, wie eine schriftlich bekundete Episode belegt: Anfang des Jahres 1546 erließ der Kastelruther Richter eine Wirtshausverordnung, in der er bei einer Geldstrafe von 10 Mark Berner (was ungefähr dem Wert von drei Kühen entsprach) allen Wirten seines Gerichtsbezirkes verbot, über die neunte Stunde in der Nacht Wein auszuschenken. Bei einem Kontrollgang stieß er dann tatsächlich beim Unterwirt in Seis auf eine lärmende Menge, die an den Wirtshaustischen becherte und spielte. Der Richter beschloss, ein Exempel zu statuieren und verdonnerte den Wirt nicht nur zu einer Geldstrafe, sondern nahm ihn auch gleich einige Tage in Arrest.
   

DIE "UNTERWIRTE"

Die Bezeichnung "Adler-Wirt" tauchte erstmals 1841 in einem Dokument auf, in dem das Erbe an die
26-jährige Katharina Mulser aufgelistet ist. Im Jahr darauf trat die Jungwirtin mit Anton Gasser vor den Traualtar. Seit damals, fast 150 Jahre lang, war das Gasthaus zum Schwarzen Adler vulgo Unterwirt in den Händen der Familie Gasser, bis zum Jahr 1987, als die Familie Mutschlechner den Besitz übernahm. Josef Mutschlechner stammt aus Bruneck im Pustertal. Ilse Scherlin dagegen ist in Seis geboren – ihre Eltern waren die Wirtsleute von Bad Ratzes und ihr Großvater war der Kunstmaler Eduard Burgauner, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Kastelruth mit seinen Bildern zu verschönern.

Aus unserem Gästebuch

Zu unseren Stammgästen zählten unter anderen der Schriftsteller Karl Zuckmayr, der Südtiroler Historiker Prof. Leo Santifaller, der Südtiroler Künstler und Maler Willi Valier, die Maler Filippo de Pisis und Alfredo Beltrame, der deutsche Textilfabrikant Benno Geiger, der Südtiroler Autor, Schauspieler und Regisseur Luis Trenker, der Botschafter am Heiligen Stuhl Rudolf Graf Von Strachwitz, der Politiker Rocco Buttiglione und der Journalist Nello Ajello.
   

JOHANN SANTNER

Der gebürtige Osttiroler und Wahl-Bozner war passionierter Bergsteiger und erwarb sich bleibenden Ruhm durch die Erstbesteigung der nach ihm benannten Santnerspitze. Sein Bericht über die Erstbesteigung der großen Schlernspitze beginnt mit den Worten:“ Am 1. Juli 1880 langte ich, von Bozen kommend, beim „Unteren Wirt“ in Seis an, wo sich auf der Altane des Hauses einige Sommerfrischler in Gesellschaft Ortsheimischer zu fröhlichem Geplauder vereint hatten. Meine Ankunft führte das Gespräch alsogleich auf das Berggehen und auf die uns zunächst gelegene, gerade von Seis aus wildgroßartig emporsteigende Schlernspitze, deren Anblick gewiss jedem in Erinnerung bleibt, der auch nur einmal in Seis geweilt hat.“

 

Bei den Bewohnern des Schlerngebietes galt der Große Schlernzacken als unbezwingbar. Gleich am nächsten Tag machte er sich auf und begann in den frühen Morgenstunden den Berg zu besteigen. Und es gelang ihm, bis an die Spitze des Berges – bzw. des Felsenstückes von kolossaler Dimension, wie er es selbst nannte – zu steigen. Zunächst konnten viele nicht glauben, dass Santner es tatsächlich geschafft hatte, doch nachdem zwei weitere Bergsteiger auf der von ihm entdeckten Route den Gipfel erklommen hatten, bekam der große Schlern-Zacken den Namen „Santnerspitze“ - im Volksmund aber heißt er schlicht „der Santner“.


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